Offizielle Facebookseite der bayr. Staatsregierung wegen G7 unter Kritik


Die bayerische Staatsregierung unterhält laut Internetarchiv http://www.archive.org mindestens seit 1995 die Internetadresse http://www.bayern.de. Damit verbunden ist auch ein Facebook-Auftritt ( facebook.com/bayern ) der mindestens bis in den August 2011 zurückreicht. Anfänglich nur dazu gedacht dem Bürger Informationen zukommen zu lassen, haben sich die Seiten in letzter Zeit mehr und mehr zu Propagandaseiten gemausert. Sie sind nicht mehr politisch neutral, sondern in weiten Zügen nur der verlängerte Arm der CSU.

Dass dies so ist beweist eine eigene sog. „WeclomeDahoam“-Seite (www.welcomedahoam.com). Im Zuge des G7-Gipfels ist diese Seite laut Impressum seit 22. Mai, also kurz vor dem G7-Gipfel, online geschaltet worden. Auf die facebook- und die welcomedahoam.com -Seiten bin ich aufmerksam geworden, da für diese Seiten quer durchs Internet unzählige Werbeanzeigen geschaltet werden. Diese „stark vermarktete „WelcomeDahoam“-Seite wurde laut Impressum seit dem 22. Mai dieses Jahres, also kurz vor dem G7-Gipfel online-geschaltet. Für die online-Präsentationen während des G7-Gipfels ist laut Impressum auch eine Werbeagentur engagiert worden. Ein eigener twitter Kanal (twitter.com/Welcomedahoam ) wurde auch von der bayrischen Staatsregierung registriert, er hat aber noch nichts getwittert.

Der Slogan „Welcome-Dahoam“ wird mit typisch-bayrischen, klischeehaften und grossformatigen Bildern begleitet. So sind Schuhplattler in Lederhosen zu sehen, das Schloss Neuschwanstein, Karrosseriebau bei BMW und glückliche Biergartenbesucher, die die Krüge anstossen. Auch wird die facebook-Seite mit „unser Bayern“ überschrieben.

Durch die unzähligen Werbeannoncen wird nun aber auch der facebook-Account mit einer Schar von kritischen Kommentaren zum G7-Gipfel überflutet. Ca. 90 % aller Kommentare sind kritische Natur. Hauptsächlich beschwert man sich über die immensen G7-Kosten von 360 Mio. EUR, über die absehbare Ergebnislosigkeit der Gespräche, über den NSA-Abhörskandal in Deutschland oder über die Tatsache, dass Vladimir Putin nicht zum Gipfel eingeladen wurde, obwohl dies die Weltpolitik nötig hätte.

Die Macher der facebook-Seite sind bemüht auch weiterhin schöne Bilder vom Gipfel einzustellen, wie Bilder von der nächtlichen Bestrahlung von Neuschwanstein mit den Landesflaggen der Gipfelteilnehmer. Jedoch mussten die von der Staatsregierung engagierten facebook-Seiten-Betreiber anscheinend nun die Kommentare löschen und die Benutzer sperren, die die Strategie der „Welcome Dahoam“-Propaganda und die CSU-Nähe entblössten. Denn mit dem Slogan „Welcome Dahoam“ vor typisch bayerischer Landschaft, bayr. Bergpanoramen oder Seen wird ein perfides, anbiederndes und v.a. manipulatives Verfahren angewandt. Dadurch, dass mit dem Slogan ein „Zuhause“ bzw. die Heimat angesprochen wird, werden positive Reize und Gefühle generiert. Diese rein durch Begrifflichkeiten erzeugten Reize können dabei ganz unterschiedlich begründet sein und müssen nichts mit Bierzelt, BMW, oder G7-Gipfel zu tun haben. Denn Heimat muss nicht Bayern sein, es muss auch nicht unbedingt ein Ort sein. Erst durch die Verbindung mit den Bildern, derer sich die CSU auch in ihren Wahlwerbungen bedient, entsteht eine Konnektivität und ein Umleiten der eigenen Gefühle auf die Bilder, die die bayr. Staatsregierung so gerne in der Öffentlichkeit präsentiert. Diese Methodik nennt sich in der Psychologie Konditionierung (de.wikipedia.de/wiki/Konditionierung) oder Priming ( de.wikipedia.org/wiki/Priming_(Psycohologie). Sie ist ein oft benutztes Mittel in der Werbung, aber selten so perfide und ausgeklügelt angewandt wie bei den besagten Internetseiten. Auch mit der Begrifflichkeit „Unser Bayern“ wird schon vorweggenommen und von oben herab definiert, was Bayern ausmacht.  Ein totalitäre Definition, die anscheinend mit den nachfolgenden Bildern jeder Kritik an bayr. Politik einen Maulkorb aufbindet. Die Seiten können dem Vorwruf schlecht standhalten, dass in Bayern oftmals mehr Schein als Sein vorherrscht. Es bleibt zu hoffen, dass die Betrachter der Seiten erkennen, dass es sich bei den offiziellen online-Vertretungen der bayr. Staatsregierung weniger um Bürgerinformation handelt, sondern vielmehr um von Steuergeldern finanzierte CSU-nahe Wahlwerbung.

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