Werbekampagne der bayerischen Staatsregierung zu G7 in der Kritik


Bayern Fahne auf G7-Logo, Lizenz: frei, Fahne: pixabay.com

Bayern Fahne auf G7-Logo, Lizenz: frei, Fahne: pixabay.com

Im Zuge des G7-Gipfels ist von Seiten der bayerischen Staatsregierung eine online-Werbekampagne gestartet worden. Der Slogan „Welcome Dahoam“ durchzieht seit Ende Mai die offizielle behördliche Vertretung Bayerns im Internet (www.bayern.de), sowie auch eine eigens für den Spruch erstellte Seite. Die von der Staatsregierung gepflegte Facebook-Seite (facebook.com/bayern) tituliert sich selbst als „Offizielle Fanseite des Freistaats Bayern und der Bayerischen Staatsregierung“. Anfänglich nur dazu gedacht dem Bürger Informationen zukommen zu lassen, haben sich die Seiten in letzter Zeit mehr und mehr zu politisch einseitigen Propagandaseiten  gemausert. Sie sind nicht mehr wie für eine Regierungsvertretung zuträglich politisch neutral, sondern in weiten Zügen nur der verlängerte Arm der CSU.

Reduzierung Bayerns auf Konservatismus, Schuhplattler und Wirtschaftskraft

Dass dies so ist, beweist die sog. „WelcomeDahoam“-Seite (www.welcomedahoam.com), die laut Impressum seit dem 22. Mai, also kurz vor dem G7-Gipfel, online geschaltet worden ist. Auf die Seite bin ich aufmerksam geworden, da dafür seit kurzem quer durchs Internet unzählige Werbeanzeigen geschaltet werden. Ein eigener twitter Kanal (twitter.com/Welcomedahoam) wurde auch von der Bayerischen Staatsregierung zu „Welcomedahoam“ registriert, er hat aber noch nichts getwittert. Der Slogan „Welcome-Dahoam“ wird auf den diesbezüglichen Seiten mit typisch-bayerischen, klischeehaften und großformatigen Bildern begleitet. So sind Schuhplattler in Lederhosen zu sehen, das Schloss Neuschwanstein, Karrosseriebau bei BMW und glückliche Biergartenbesucher, die die Krüge anstoßen. Auch wird die facebook-Seite mit „Unser Bayern“ überschrieben. Durch die unzähligen Werbeannoncen wird nun aber auch der facebook-Account mit einer Schar von kritischen Kommentaren zum G7-Gipfel überflutet. Ca. 90 % aller Kommentare sind von kritischer Natur. Hauptsächlich beschwert man sich über die immensen G7-Kosten von 360 Mio. EUR, über die absehbare Ergebnislosigkeit der Gespräche, über den NSA-Abhörskandal in Deutschland oder über die Tatsache, dass Wladimir Putin nicht zum Gipfel eingeladen wurde, obwohl dies die Weltpolitik nötig hätte.

Behördliche Vorgabe, was persönlich als Heimat empfunden werden soll

Die Macher der facebook-Seite sind bemüht auch weiterhin schöne Bilder vom Gipfel einzustellen, wie Bilder von der nächtlichen Bestrahlung von Neuschwanstein mit den Landesfahnen der Gipfelteilnehmer. Jedoch mussten die von der Staatsregierung engagierten facebook-Seiten-Betreiber anscheinend nun die Kommentare löschen resp. zensieren und die Benutzer sperren, die die Strategie der „Welcome Dahoam“-Propaganda und die CSU-Nähe in Kommentaren entblößten. Denn mit dem Slogan „Welcome Dahoam“ vor typisch bayerischer Landschaft, bayerischen Bergpanoramen oder Seen wird ein anbiederndes, perfides und v.a. manipulatives Verfahren angewandt. Dadurch, dass mit dem Slogan ein „Zuhause“ bzw. die Heimat angesprochen wird, werden im Allgemeinen erst positive Reize und Gefühle generiert. Diese rein durch Begrifflichkeiten erzeugten Reize sind normalerweise ganz individuell begründet und müssen nichts mit Bierzelt, BMW oder dem G7-Gipfel zu tun haben. Denn Heimat muss nicht Bayern sein, es muss auch nicht unbedingt ein Ort sein. Erst durch die Verbindung mit den Bildern, derer sich die CSU auch in ihren Wahlwerbungen bedient, entsteht eine Konnektivität und ein Umleiten der eigenen Gefühle auf die Bilder, die die bayerische Staatsregierung so gerne in der Öffentlichkeit präsentiert.

politische Indoktrinierung, Lizenz: frei, Bildbestandteile: pixabay.com

politische Indoktrinierung, Lizenz: frei, Bildbestandteile: pixabay.com

Diese Methodik nennt sich in der Psychologie Konditionierung (de.wikipedia.de/wiki/Konditionierung) oder Priming (de.wikipedia.org/wiki/Priming_(Psycohologie)). Sie ist ein oft benutztes Mittel in der Werbung, aber selten so ausgeklügelt angewandt worden wie bei den besagten Internetseiten. Auch mit der Begrifflichkeit „Unser Bayern“ wird schon vorweggenommen und von oben herab definiert, was die eigenen Heimatsgefühle ausmachen sollen, nämlich das, was die CSU so gerne in der Öffentlichkeit vorgibt. Es ist ein Einmischen der bayerischen Staatsregierung in ganz ureigene, individuelle Ansichten, Gedanken und Gefühle. Es ist dies eine versuchte Gleichmachung und Gleichschaltung. Durch die totalitäre Definition von Heimat, die nur über die stereotype Bilderbuchseite Bayerns geschieht, versucht man sozusagen jedem Kritiker bayerischer Politik vorab einen Maulkorb aufzubinden. Die Seiten können anhand der Bilder dem Vorwurf schlecht standhalten, dass in Bayern oftmals mehr Schein als Sein vorherrscht, das Äussere bzw. das Materielle über die inneren Werte gelegt werden und dass Unternehmertum in der bayerischen Politik eine zu große Bedeutung beigemessen wird. Es bleibt zu hoffen, dass die Betrachter der Seiten erkennen, dass es sich bei den offiziellen online-Vertretungen der bayrischen Staatsregierung immer weniger um neutrale Bürgerinformation handelt, sondern vielmehr um von Steuergeldern finanzierte CSU-nahe Wahlwerbung und zielgerichtete Werbekampagnen.

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