Aus Unvollständigkeit folgt Wirkungslosigkeit


 doc-icon-by-Chris_Scholten

Das Leben eines jeden Menschen verändert sich ständig. Dies geschieht dabei einmal schneller, einmal langsamer. Es gibt kleinere Zeiträume, in denen sich sehr viel sehr stark verändert. Oder das Leben bleibt über viele Jahre hinweg gleichbleibend oder gar fast konstant. Diese angeführten Änderungen sind entweder äusserliche, wie die Änderungen des Wohnsitzes, der Unterkunft bzw. des Hauses, der Freunde, der Kleidung oder auch des Automobils. Auf der anderen Seite existieren die innerlichen Veränderungen, die des Geistes. Durch ihn werden Geschehnisse und Probleme durchdacht und verstanden, bis sich Zusammenhänge auftun und somit gedanklich erkannt werden. Dies alles können schulwissenschaftliche Gedankengänge aus Mathematik und Schulphysik sein, aber auch gesellschaftliche oder wenn man weiter zur eigenen Person geht, dann auch zwischenmenschliche Geschehnisse und Zusammenhänge, psychologische und schliesslich sein eigenes Denken und sein Bewusstsein betreffende. Zwischen dem Äusserlichen und dem Innerlichen steht der Körper, als sog. Schnittstelle zwischen dem Geist und der äusseren Umwelt. Über den Körper ist sozusagen der Geist befähigt in der materiellen, dreidimensionalen und der Zeit unterliegenden Welt zu agieren.

Wie kommen nun Veränderungen in der äusserlichen Welt, wie auch in der inneren, geistigen Welt zustande? Was sind die Ursachen dafür und in welchem Ausmass geschehen die Veränderungen jeweils?

Eine evolutiv richtig ausgerichtete Veränderung des Denkens kommt dadurch zustande, dass ein Teilgebiet des Lebens verstanden wird. Dieses Verstehen muss jedoch in sich immer vollständig, d.h. schlüssig und im Gedankengang logisch sein. Erst dadurch kann in einem noch so kleinen Lebensbereich eine Veränderung des zuvor unrichtigen Denkens in ein richtiges Denken hervorgerufen werden. Das Denken ist dann als richtig anzusehen, wenn die Gedankengänge einen Sachverhalt so verstehen, dass er auf ein Naturgesetz zurückführbar und dadurch erklärbar ist. Dies ist deshalb so, weil die Naturgesetze unabänderbar sind und deshalb die Zeiten überdauern und somit einer bestehenden Wahrheit entsprechen.

Dieser vorhergehende Abschnitt ist nun von einer sehr theoretischen Seite abgehandelt worden, weswegen ich ein kleines Beispiel anführen möchte: Eine Person hat bereits in seiner Kindheit den Spruch „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ vernommen und ihn bisherig bei Bedarf als Leitspruch ohne viel Hinterfragen angewandt. So hat dieser Mensch in seiner Kindheit bei verbalen Streitigkeiten, Erniedrigungen o.ä. mit selbiger Methodik bzw. mit Gleichem geantwortet. Diese Handlungsweise erschien dieser Person anfänglich als richtig und erfolgreich, da sie sich verteidigen konnte und sie möglicherweise situationsbedingt weitere verbale Angriffe eines bekannten Gegenübers unterband. Nach einiger Zeit jedoch rüstete das Gegenüber wieder auf, sprach noch erniedrigendere Worte und tiefergehende Beleidigungen aus. Die Beispielperson musste sich demnach nach ihrem gegenwärtig gedanklich fortgeschrittenstem Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ verteidigen und antwortete mit gleichen oder ähnlichen Worten. Würde sich eine Begegnung dieser Personen weiter zutragen, so gäbe es, wollte man eine Veränderung der Geschehnisse, nur zwei Möglichkeiten. Zum einen müssten beide Personen das Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ zu einem späteren Zeitpunkt als jeweils für sich evolutiv veraltet ansehen oder die Personen gingen sich nach Erblicken aus dem Weg. Hat nun eine von beiden Personen erkannt, dass das Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ auf lange Sicht nicht haltbar ist, der Spruch in seiner Unlogik somit verstanden wird und auch das Handeln dementsprechend abgeändert wird, indem sich die Beispielperson beispielsweise andere Kontakte sucht und den Kontakt mit der früheren Person meidet, dann hat die betreffende Person einen evolutiven Schritt in diesem Teilbereich des Lebens vollständig vollzogen. Dieser Schritt brachte für ihn Wirkung, da er von seinem Gegenüber keine Verletzungen mehr erfahren konnte. Darüberhinaus erleichtert ihm seine vorangegangene Erkenntnis jede weitere richtige Handlungsweise in nahestehenden Teilgebieten. So wird sich diese Person schneller davor hüten, auch bei möglich auftretenden körperlichen Vorfällen bzw. Angriffen, zurückzuschlagen und gleiches Leid anzutun, einmal abgesehen von einer möglichen und notwendigen und unausweichlich durchzuführenden Verteidigung seines eigenen Körpers. Durch das vollständige Verstehen der auf Logik basierenden Zusammenhänge in einem angrenzenden Teilbereich ist die Person nun fähig die Unrichtigkeit des Leitspruchs „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ auf weitere, in diesem Fall auf den ursprünglich gemeinten Bereich, auszudehnen. Ist die Unlogik des Spruches erkannt worden, ist es bei weiterer Übertragung auch möglich, die Sinnlosigkeit der Folter oder Todesstrafe zu verstehen. Denn diese lösen kein Problem, wenn Gleiches mit Gleichem vergolten wird. Es wird nur dem Rachegedanken Realität verliehen. Eine Person, die sich im Todestrakt eines Gefängnisses befindet, womöglich in Einzelhaft, ist für keinen weiteren Menschen eine Gefahr. Darüberhinaus wird ihm die Möglichkeit genommen, sich evolutiv Zeit seines Lebens weiterzubilden und möglicherweise den Sinn des Lernens und den Nutzen des Lebens zu verstehen.

Anhand des Beispieles wurde in einem kleinen Teilbereich bzw. Segment des Lebens ein Gedankengang vollständig durchdacht und zu einer logischen Schlussfolgerung gebracht. Durch Erlebnisse in der Aussenwelt, die mit immer gleichen und unerfreulichen Ergebnissen verbunden waren, wurde das Überarbeiten seiner Gedankengänge eingeleitet. Erst nach einer vollständigen , in sich schlüssigen und logischen Erkenntnis konnte eine beständige und nicht auf Zufall basierende Veränderung der Handlungsweisen der Beispielperson eingeleitet werden. Dadurch wurde die Voraussetzung geschaffen, anschliessend weitergehendes oder grösseres Leid zu verhindern, auch weil auf Basis des Verstehens des ursprünglichen Vorkommnisses eine Parallelität zu anderen Geschehnissen aufgebaut werden konnte. Erst wenn zuvor auch nur die kleinsten Geschehnisse vollständig und in ihrer Logik verstanden wurden, können sie anhand neuer Handlungen evolutiv wirksam werden. Die Voraussetzung für einen Evolutionsschritt ist somit die Vollständigkeit und Tiefe des Verstehens, nicht die Umfassenheit, Oberflächlichkeit und Breite. Das Verstehen eines Sachverhalts bleibt auch immer eine Leistung der eigenen Person. Wäre es nicht so, dann wäre man auch nicht mehr für sein Leben verantwortlich. Es ist beim Verstehen auch sehr hilfreich, wenn gute und erfahrene Lehrer das Leben durch Weisungen erleichtern und mit Kritik auf Fehler hinweisen. Das letzte und entscheidende Element und der weiterführende Stoss für sich selbst zu einem jeden weiteren evolutiven Schritt und zu neuen richtigen Handlungsweisen bleibt trotz dieser grossen Vorarbeit einem jeden selbst überlassen.

In der obig gemachten beispielhaften Erklärung mit den sich treffenden Personen erfolgte eine Steigerung. Es wurde ein kleiner Bereich verstanden um möglicherweise grössere eintretende Gefahren zu vermeiden. Jedoch kann das Leben nicht einfach geplant werden, es treten von Natur aus unerwartete Ereignisse auf oder es ist sogar mit Schicksalsschlägen verbunden. In diesem Fall steht vielleicht am Anfang eines evolutiven Schrittes ein Grossereignis im Leben. Das kann der Tod oder Verlust eines lieben Mitmenschen oder Familienangehörigen sein, eine Naturkatastrophe, ein Vertrauensbruch oder ganz allgemein ein traumatisches Ereignis. Solche Vorfälle sind für die betreffende Person eine körperliche und/oder psychische Überlastung, sie werden anfänglich oft nicht verstanden, da sie komplett neu und überraschend sind. Gemeinhin reagiert der Mensch mit einem Selbstschutz. Bei nicht-körperlichen Überlastungen lässt die Person dann für das aktuell arbeitende Bewusstsein bzw. den Geist manchmal nicht alle Reize hindurch, die Person speichert jedoch zur späteren Aufarbeitung die Vorkommnisse im Unterbewusstsein.

Also gilt es in diesem Fall die kleineren, nach und nach aus dem Unterbewusstsein auftauchenden Geschehnisse zu verstehen. Die einzelnen verstandenen Segmente können Schritt für Schritt in einen grösseren Zusammenhang gebracht werden. Dadurch ergibt sich dann schliesslich nach längerer Zeit, möglicherweise erst nach sehr vielen Jahren, ein Gesamtbild der erlebten Geschehnisse, welches dann schliesslich neutral, wertfrei und distanziert betrachtet werden kann. Anhand des vollständigen Verstehens solcher Ereignisse konnte wiederum ein gesamthaft grösserer evolutiver Schritt wirksam gemacht werden. Sei es dass zukünftig auftretenden Gefahren bedachter entgegengetreten wird, diese vermieden werden oder dass diese schmerzfreier und schneller verarbeitet werden.

Dass sich die Aussenwelt verändert, ist schliesslich nur eine Folgeerscheinung unserer Gedanken. Abgesehen von noch nicht beeinflussbaren Naturereignissen gestaltet der Mensch seine Umwelt anhand seiner vollzogenen Gedanken. Umso umfassender bzw. vollständiger resp. reifer diese sind, desto mehr kann unsere äussere Umwelt auch in Einklang mit der uns nährenden und uns am Leben erhaltenden Natur gestaltet werden.

21.02.2013, Stefan Anderl

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